
Nachfolge
Was Ihr Unternehmen wert ist, wenn Sie nicht mehr da sind
Ein Käufer kauft keinen Gewinn. Er kauft den Teil des Gewinns, der ohne Sie entsteht.
Kurz gesagt: Ein profitables Unternehmen kann einen niedrigen Verkaufspreis erzielen, wenn der Gewinn an der Arbeitszeit der Inhaber hängt. Diese Zeit muss ein Käufer nach der Übergabe durch bezahlte Kräfte ersetzen und zieht die Kosten dafür vom Ergebnis ab, bevor er einen Preis nennt. Von 95.000 Euro ausgewiesenem Ergebnis können auf diese Weise 19.400 Euro übrig bleiben.
Die Rechnung, die vor der Bewertung kommt
Legen Sie neben die Kostenstruktur Ihrer betriebswirtschaftlichen Auswertung eine zweite Zahl: die Stunden, die Sie und Ihre Mitgeschäftsführung im Monat tatsächlich in der Ausführung des operativen Geschäfts verbringen, nicht in dessen Steuerung.
Bewerten Sie diese Stunden mit dem Betrag, den eine Fachkraft dafür kosten würde, inklusive Arbeitgeberkosten. Ziehen Sie die Summe vom Ergebnis ab. Was übrig bleibt, ist die Größe, über die ein Käufer verhandelt.
An einem Beispiel wird deutlich, wie viel dabei verloren geht. Ein Betrieb weist 95.000 Euro Ergebnis aus. Beide Geschäftsführer arbeiten jeweils zwanzig Wochenstunden im operativen Geschäft mit, zusammen also vierzig. Bei 45 Arbeitswochen ergibt das 1.800 Stunden im Jahr, die ein Käufer durch bezahlte Kräfte ersetzen muss.
- Ergebnis laut betriebswirtschaftlicher Auswertung95.000 Euro
- Operative Mitarbeit beider Geschäftsführer1.800 Stunden im Jahr
- Ersatz zu 42 Euro Arbeitgeberkosten je Stunde75.600 Euro
- Übertragbares Ergebnis19.400 Euro
Über diese 19.400 Euro verhandelt ein Käufer. Wird für die Bewertung ein Faktor von vier angesetzt, sind das 77.600 Euro. Derselbe Faktor auf das ausgewiesene Ergebnis angewendet hätte 380.000 Euro ergeben. Die Differenz von gut 300.000 Euro ist der Preis dafür, dass zwei Personen unentbehrlich sind.
Ergebnis, Stundenzahl und Faktor sind hier angenommen. Der Bewertungsfaktor schwankt je nach Branche, Größe und Risikoprofil erheblich und gehört in die Hände einer Bewertung. Die Systematik davor gilt trotzdem.
Was die Rechnung nach oben bewegt
Jede Stunde, die aus der täglichen Ausführung herausgelöst wird, wandert vom nicht übertragbaren in den übertragbaren Teil des Ergebnisses. Denselben Effekt hat Umsatz, der auf Verträgen statt auf Zufall steht, und ein Vertriebskanal, dessen Wirkung sich mit Auswertungen belegen lässt. Alle drei brauchen Monate bis Jahre, weil sie Abläufe, Personal und Daten voraussetzen.
Welche Schritte dafür in welcher Reihenfolge anstehen, steht in Wie mache ich mein Unternehmen verkaufsfähig? Hier geht es um die Zahl davor: wie viel vom Ergebnis überhaupt übrig bleibt, wenn Ihre Arbeitszeit ersetzt werden muss.
Der Zeitpunkt entscheidet
Welche Arbeit drei Jahre, zwei Jahre und ein Jahr vor der Übergabe ansteht, ordnet Wie lange vor der Unternehmensnachfolge sollte man anfangen? Was ein Käufer als Risiko einpreist, zeigt Was senkt den Unternehmenswert aus Sicht eines Käufers?
Diese Veränderungen brauchen Zeit. Abläufe zu dokumentieren, Personal einzuarbeiten und Verträge umzustellen, dauert Monate bis Jahre. Zwei bis drei Jahre vor einem geplanten Verkauf lässt sich damit noch erheblich bewegen. Im Verkaufsjahr selbst nicht mehr, denn dann sieht ein Käufer die Zahlen der Vergangenheit.
Wer also mit dem Gedanken spielt, in einigen Jahren zu übergeben, sollte die Rechnung jetzt machen und nicht dann.
Was diese Rechnung nicht ist
Sie ersetzt keine Unternehmensbewertung. Für Bewertungsverfahren, steuerliche Gestaltung und Vertragsgestaltung sind Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Fachanwälte zuständig. Die Rechnung beantwortet eine andere Frage, nämlich woran gearbeitet werden muss, damit eine Bewertung später ein besseres Ergebnis zeigt.
Wenn ein Käufer gesucht wird
Für die externe Nachfolge gibt es die Unternehmensbörse nexxt-change, getragen vom Bundesministerium für Wirtschaft, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag und der KfW. Die Kammern begleiten das Verfahren, für das Rheinland etwa die IHK Düsseldorf.
Woher diese Rechnung stammt
Aus einer Analyse für ein Getränke- und Cateringunternehmen aus Nordrhein-Westfalen, dessen Geschäftsführung wissen wollte, was das Unternehmen bei einem Verkauf wert wäre. Nachzulesen in den Projektbeispielen.
Die Vorbereitung der Übergabefähigkeit (Abhängigkeiten lösen, Abläufe dokumentieren, Verträge verstetigen) gehört zum Schwerpunkt Unternehmensnachfolge der Unternehmensberatung und ist über das BAFA-Programm förderfähig. Die Bewertung selbst ist es nicht, weil überwiegend steuerliche und rechtliche Fragestellungen von der Förderung ausgenommen sind. Konkrete Hebel zeigen Wie mache ich mein Unternehmen verkaufsfähig? und Was senkt den Unternehmenswert?, den passenden Zeitpunkt Unternehmensnachfolge: Wann anfangen?
Text: Igor Solowjew