
Recruiting und Ansprache
Warum sich die Falschen auf Ihre Stelle bewerben
Die Anzeige läuft seit acht Wochen auf drei Portalen. Neun Bewerbungen sind eingegangen, sechs davon ohne jeden Bezug zur Aufgabe. Die Stelle ist weiterhin offen, und das Portal schlägt vor, das Budget zu erhöhen.
Kurz gesagt: Auf eine Stelle bewerben sich die Falschen, wenn die Anzeige den Wunschkandidaten beschreibt statt der Arbeit. Wer erzählt, wie ein normaler Dienstag abläuft, zieht Menschen an, die genau das suchen. Eine lange Anforderungsliste bewirkt das Gegenteil: Sie hält gerade die Richtigen ab.
Mehr Reichweite für dieselbe Anzeige bringt mehr Bewerbungen derselben Art. Das Problem liegt selten bei der Sichtbarkeit.
Warum sich die Sorgfalt lohnt
Eine offene Stelle trifft zuerst die Kollegen: Überstunden, verschobene Termine, Aufträge, die abgelehnt werden müssen. Wer ein halbes Jahr die Lücke füllt, denkt irgendwann über den eigenen Wechsel nach. Gemessen daran ist die Stunde, die in eine gute Anzeige fließt, die günstigste im ganzen Verfahren.
Die Anzeige beschreibt den Wunschkandidaten statt der Arbeit
Der häufigste Aufbau beginnt mit dem Unternehmen, geht über zu einer Liste von Anforderungen und endet bei Benefits, die jeder Betrieb aufzählt. Was fehlt, ist die Antwort auf die Frage, die jeder Bewerber zuerst stellt: Wie sieht mein Tag aus, wenn ich hier arbeite?
Wer beschreibt, wie ein normaler Dienstag abläuft, mit wem zusammengearbeitet wird, welche Aufträge typisch sind und was schwierig ist, spricht Menschen an, die genau das suchen. Und schreckt diejenigen ab, die etwas anderes erwarten. Beides ist gewollt.
Anforderungen, die niemand erfüllt, sortieren die Falschen nicht aus
Eine lange Liste von Muss-Kriterien wirkt wie ein Filter und ist keiner. Wer ohnehin unpassend ist, bewirbt sich trotzdem. Wer gut passt, aber zwei der acht Punkte nicht erfüllt, bewirbt sich nicht. Das Ergebnis ist die umgekehrte Auswahl.
Zwei bis drei echte Voraussetzungen genügen, klar als solche benannt. Alles Übrige gehört unter eine Überschrift, die deutlich macht, dass es hilfreich, aber nicht erforderlich ist.
Die Anzeige ist nur der erste Kontaktpunkt
Wer sich für die Stelle interessiert, schaut anschließend auf die Website. Findet er dort nichts über die Arbeit, keine Gesichter und keinen Hinweis darauf, wie der Betrieb funktioniert, entscheidet er nach Gefühl.
Der zweite kritische Punkt liegt danach. Eine Bewerbung, die drei Wochen unbeantwortet bleibt, ist in einem Markt mit mehr Stellen als Bewerbern verloren. Auch hier gilt, was im Vertrieb gilt: Die erste Reaktion entscheidet häufiger als das Angebot.
Ein Verfahren schlägt eine gute Anzeige
In einem Beratungsmandat mit einem Immobilienpflegebetrieb im Kreis Mettmann war die Anzeige gar nicht das eigentliche Problem. Der Inhaber war gleichzeitig ausführende Kraft, Disponent und Vertrieb, und für die Personalgewinnung gab es kein Verfahren. Jede Einstellung begann von vorn.
Entstanden ist deshalb ein wiederholbarer Ablauf: schaltfertige Anzeigen je Tätigkeit, ein festgelegter Auswahlweg und ein Einarbeitungsstandard, damit neue Kräfte nicht jedes Mal anders eingearbeitet werden. Dazu eine Kapazitäts- und Personalbedarfsrechnung auf Basis echter Auftragsstunden, die zeigte, welche Stelle bei welchem Umsatz überhaupt dran ist. Der Fall steht in den Projektbeispielen.
Der Unterschied zeigt sich beim zweiten Mal. Eine gute Anzeige hilft einmal. Ein Verfahren hilft bei jeder Stelle danach, und in einem wachsenden Betrieb ist das der teurere Teil.
Was vor der nächsten Anzeige geklärt sein sollte
Wen genau suchen Sie, über den Berufsabschluss hinaus? Jemanden, der selbstständig arbeitet, oder jemanden, der klare Ansagen bevorzugt? Jemanden mit Berufserfahrung oder jemanden, den Sie einarbeiten wollen? Diese Entscheidung verändert jeden Satz der Anzeige.
Und: Was können Sie ehrlich bieten, das ein anderer Betrieb nicht auch schreibt? Ein fester Feierabend, ein Fahrzeug, das mit nach Hause darf, ein Team, das seit Jahren zusammenarbeitet. Konkretes schlägt jedes Adjektiv.
Wann sich der erste Mitarbeiter überhaupt rechnet, zeigt Wann lohnt sich der erste Mitarbeiter?, wann zusätzliche Personen oder Automatisierung die bessere Antwort sind Mitarbeiter einstellen oder automatisieren?, und warum die erste Reaktion über den Abschluss entscheidet Was passiert eigentlich nach einer Website-Anfrage?
Text: Igor Solowjew