
Unternehmen führen
Wann lohnt sich ein Unternehmensberater und wann nicht?
Unternehmensberatung ist sinnvoll, wenn vor einer wichtigen Veränderung noch nicht klar ist, welche Ursache das Problem hat oder welche Lösung wirtschaftlich die beste ist. Sie ist überflüssig, wenn die Entscheidung längst gefallen ist und nur jemand die Aufgabe ausführen soll.
Diese Grenze spart Geld.
1. Wenn das sichtbare Problem wahrscheinlich nur ein Symptom ist
„Wir brauchen mehr Bewerbungen" kann ein Recruitingproblem sein. Es kann aber ebenso an Arbeitszeiten, Führung, Lohnstruktur oder fehlender Kapazitätsplanung liegen.
„Wir brauchen eine neue Website" kann ein Webprojekt sein. Oder ein Problem mit Angebot, Zielgruppe und Vertriebsweg.
„Wir brauchen Software" kann richtig sein. Oder der bestehende Ablauf ist so ungeordnet, dass jede neue Software nur ein digitales Abbild desselben Problems erzeugt.
Beratung lohnt sich, wenn zuerst die Ursache geklärt werden muss.
2. Wenn mehrere Lösungen plausibel sind
Einen Mitarbeiter einstellen, automatisieren, auslagern oder Aufträge ablehnen können vier vernünftige Antworten auf denselben Kapazitätsengpass sein. Dann braucht es keine fünfte Meinung. Es braucht eine Rechnung: Kosten, erreichbare Kapazität, Risiko, Umsetzungsdauer und Folgewirkung jeder Variante.
3. Wenn die Entscheidung teuer oder schwer rückgängig zu machen ist
Ein Jahresvertrag, eine Einstellung, ein Standort, ein Softwaresystem oder eine neue Preislogik bindet länger als ein einzelner Auftrag. Je größer die Folgekosten einer Entscheidung, desto eher kann sich ein externer Blick vor der Unterschrift rechnen.
4. Wenn der Inhaber selbst zum Engpass geworden ist
Wenn jede Freigabe, Kundeneskalation und Sonderentscheidung beim Inhaber landet, ist mehr persönliche Arbeitsleistung keine nachhaltige Lösung. Dann muss geklärt werden, welche Abläufe, Zuständigkeiten oder Rollen fehlen. Die Beratung setzt genau dort an, damit weniger zwingend beim Inhaber landen muss.
5. Wenn intern niemand neutral auf die Frage schauen kann
Mitarbeiter, Dienstleister und Geschäftspartner können sehr wertvolle Beiträge liefern. Sie sind aber Teil des Systems, über das entschieden wird. Bei Investitions-, Personal- oder Strukturfragen kann ein Sparringspartner von außen helfen, Annahmen sichtbar zu machen und Interessen von Fakten zu trennen.
Wann Sie keinen Unternehmensberater brauchen
Ein Unternehmensberater lohnt sich in der Regel nicht, wenn die Lösung längst feststeht und nur noch jemand die Umsetzung übernehmen soll, wenn die Frage rein steuerlich oder rechtlich ist und damit in die Hände des dafür zugelassenen Fachberaters gehört, wenn keine wirtschaftlich relevante Entscheidung dahintersteht (ein 3.500-Euro-Mandat für ein Problem im Wert von 500 Euro ist Unsinn), oder wenn im Unternehmen ohnehin niemand Zeit oder Verantwortung hat, die empfohlenen Maßnahmen später umzusetzen.
Der einfachste Test vor dem Erstgespräch
Vervollständigen Sie diesen Satz: „Am Ende der Beratung möchte ich entscheiden können, ob …"
Wenn danach eine konkrete unternehmerische Frage kommt, lässt sich daraus meist ein sauberes Mandat entwickeln. Lautet der Satz stattdessen „… möchte ich, dass jemand unsere neue Website baut", ist das in der Regel ein Umsetzungsauftrag.
Was ein Mandat kostet, zeigt Was kostet Unternehmensberatung und wann rechnet sie sich?. Welche Form zu welcher Frage passt, ordnet Welche Beratungsform passt zu Ihrer Situation? ein. Für regelmäßige Begleitung gibt es die Laufende Beratungsbegleitung.
Text: Igor Solowjew